projekt
moabit mosaik
Orte subjektiver Bedeutung

Biografische Erzählungen faszinieren durch ihre Inhalte und durch die Intensität, mit der sie häufig erzählt werden. Die Wirkungsstärke der Bilder, die sie auslösen, scheint einem ausgeprägten Vorstellungsbild zu entspringen.
Der Moment, in dem erlebten Episoden erzählerisch umgesetzt werden, zeichnet sich durch Kreativität und gestalterische Dichte aus: Denn gleichzeitig mit der Wiedergabe von Ereignissen wird das Bestreben deutlich, diese in Einklang mit dem eigenen Lebens- und Selbstkonzept zubringen. Eine biografische Erzählung ist damit auch immer ein Teil einer Schöpfungsgeschichte – die Selbsterfindung der Erzählenden. Sie beschreiben ihre Erlebnisse und ordnen sie nach ihrer Interpretation einem breiteren Kontext zu. Für das Projekt Moabit-Mosaik habe ich den Kontext vorgegeben. Es werden ausschließlich Erlebnisse dargestellt, die sich auf konkrete Orte im öffentlichen Raum des Bezirks Moabit in Berlin-Mitte beziehen.



Es wurden Erzählungen, Erinnerungen und Geschichten von Menschen gesammelt, die in Moabit gewohnt haben oder dort noch immer leben. Dabei geht es nicht um ein Erzählideal maximaler naiver Authentizität. Die Darstellung der Geschichten wurde mit den Erzählenden gemeinsam reflektiert und redigiert.
Zusammen mit kurzen Filmsequenzen der Orte in ihrem augenblicklichen Zustand entsteht eine spannungsvolle Kombination: Die subjektive Bedeutung der Orte entspricht nicht unbedingt der üblichen Topografie von Siedlungen, wie sie sich historisch gewachsen, institutionell zugewiesen oder formal angelegt auf Karten präsentiert. Plötzlich gewinnen Nebenstraßen und Nischen an Bedeutung. Die von den Erzählenden vorgeschlagenen Orte sind Ausschnitte einer Bühnenlandschaft der Selbsterfindung und zugleich Manifestation von (Welt-) Anschauungsräumen.